Friday, April 25, 2008

Zu ARG allgemein. Viele Buchstaben.

Die Debatte ist gerade aufgeflammt, ob es sinnvoll sei, den viralen Marketings-ARGs zu folgen. Das Problem liegt an der Hand: die ARG-Spieler, die ARG spielen (man möge mir diese Tautologie verzeihen), tragen der Werbung bei. Die sind also wissende - oder auch unwissende - Helfer der Marketingfirmen. Wenn sie's wissen - dann werden sie wohl gut dafür bezahlt. Wenn sie's nicht wissen - dann tun sie leid in ihrer Naivität, ihrem Minderwertigkeitskomplex und ihrem Drang, ihre ohnehin leseunwürdigen Blogs mit leerem Content zu füllen... sagt man ungefähr so in einigen Blogs und Kommentars.

Ein virales Produkt, der per Post oder durch die andere Wege hineintrudelt, gehört in den Müllcontainer, und diejenigen, die es nutzen sind entweder "geldgeile Blogger" oder "nützliche Idioten" (wie jemand drueben in Kommentaren schreibt). Ist halt Werbung, nichts mehr.

Diese Auffassung ist jedoch sehr einseitig und zeigt lediglich Unkenntniss von der ARG-Materie (was auch verzeihlich ist bei der sowieso undurchsichtigen Dimension des ARGs). Ich spielte gerne "Final Mill", auch wenn ich und Microsoft des öfteren Meinungsunterschiede haben. Ich spiele gerne "Lost Ring", auch wenn ich McDonalds immer kilometerweise meide. Wenn hinter dem ARG-Projekt helle Köpfe stecken, mit viel Vorstellungskraft, kreativen Ideen und dem Sinn für Humor - und wenn die ARG-Geschichte an sich spannend ist - das ist dann die Hauptsache.

Nehmen wir z.B. Cloverfield (ich weiss, ich habe meine Leser - falls es überhaupt welche gibt - damit bereits an die Palme gebracht).

Habe ich von Paramounts Pictures irgendwelche Gelder bekommen:
- für die monatelange Wiki-Pflege? nein
- für die nächtelange Übersetzungen aus dem Japanischen? nein
- für die Teilnahme an interaktiven Storys mit dem fiktiven Character HUD? nein
- für die Teilnahme am Videokontest "When Cloverfield hit"? nein
- für die Berichterstattung über den Film in meinem Blog? nein

Beklage ich mich darüber? nein, weil mich das gar nicht erst interessiert.

Dann wieso zur Hölle mache ich das? Bin wohl doch keiner "geldgeile Blogger", gehöre also eher zur Kategorie der "nützlichen Idioten". Ja, mag sein.

Doch hiermit helfe ich hunderten anderer "nützlichen Idioten", die weltweit alles über ARG Cloverfield erfahren möchten.

Das ist es, was hier einige nicht verstehen.

Eine Sache ist geldgeil nach Werbungsmöglichkeiten suchen, auf das eigene Auto McDonalds-Aufkleber draufschlagen und sich hip fühlen.

Andere Sache ist, mit vielen anderen Menschen weltweit aktiv (als Schreiber/Rätsellöser/etc) oder passiv (als Leser/Lurker) durch die fiktive Welten durchzureisen - ganz ohne Bedürfnis nachher in den McDonalds zu gehen oder Vista-Laptop zu kaufen und Mac aus dem Fenster zu werfen.

Natürlich, haben viele Blogger Angst, manipuliert zu werden. Also, zunächst 100 mal überprüfen, ob dahinter (Gott behüte!) irgendwelche geldgeilen Projektleiter stehen, die nur darauf warten, den armen und überstrapazierten Konsumenten in ihre Bahn zu ziehen. Das kann ich auch nachvollziehen.

Jedoch hier geht es um etwas ganz anderes. Werbung ist auch Kunst. Man muss nicht automatisch nach dem Produkt sehnen, wenn einen die Werbung ästhetischerweise anspricht.

Das gleiche gilt auch für die ARGs. Es geht nicht um das Produkt, es geht um die ARG. Eine Entertainment-Art. Davon gibt's viele. Für mich persönlich ist spannender nur Bücher zu lesen.

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