Thursday, December 11, 2008

The Day the Earth Stood Still: Virale Macht der Bilder

Sie erinnern sich bestimmt an die herzzerreissende Nachrichtenreihe in mehreren Sprachen über die aussergewöhnlichen Vorkommnisse auf der Bohrstation Chuai. Diese Clipreihe war eine der unedlichen Facetten der Marketingkampagne zum Film Cloverfield, über den ich hier berichtete.

Es war schon faszinierend, wie authentisch die u.a. deutsche Nachrichtenmeldung rübergebracht wurde (OK, abgesehen vom komischen Akzent des Nachrichtensprechers). Mit "authentisch" meine ich natürlich den Grad der Wirklichkeitssimulation durch die Hollywood-Profis (denn leider wird es des öfteren mit (inter)nationalen Stereotypen gespielt, was einen unangenehmen Nachgeschmack des Klisheehaften hinterlässt - im Gegensatz zu diesen obigen Beispielen). Der russische Bericht war ebenso weit von Stereotypen (Vodka, Sowjets, Bären, Schnee) entfernt, was auch heutzutage eine Seltenheit ist.


Auf lustich.de: Mysteriöser Bohrinsel-Untergang

Diesmal passiert wieder etwas spannendes. Zwar haben die Macher von "The Day the Earth Stood Still" mit Keanu Reaves (Remake des Klassikers) auf eine Alternate Reality Game verzichtet. (Angesichts der finanziellen Krise ist es ja auch vorhersehbar).

Doch bei den laufenden Marketingaktionen wird eher das Wort Reality betont. Norbert von http://filmvermarktung.blogspot.com/ hat bereits zwei interessante Eriegnisse geschildert.

Erstens werden bundesweit Film-Plakate verteilt, in den die entsprechenden deutschen Stadtnamen figurieren:


Dieses und weitere Fotos im Blog von Norbert:
http://filmvermarktung.blogspot.com/2008/12/mutiertes-filmplakat-part-2.html

Nun aber werden im Fernsehen die Nachrichtenberichte ausgestrahlt, wie Deutschland - und auch die ganze Welt - in Sekundenschnelle vom Antlitz der Erde weggefegt wird (wie zum Beispiel, Andreas Armbrüster berichtet):


Bild-Quelle: http://filmvermarktung.blogspot.com/2008/12/tv-werbung-die-auffllt.html

Und auch als Video:
.

Interessanterweise, machen auch mehrere grosse Internetportale mit.
Wenn man e.g. die Seite von t-online besucht und dann auf die Rubrik "Entertainment" klickt, erwartet den Besucher eine Nachrichtensendung mit der darauffolgenden erschütternden Apokalypse. Der Clip startet nicht jedes mal, man muss schon mehrmals den Weg von t-online zu Entertainment durchmachen, um dies zu entdecken.

Max von http://fortschritt.tv/category/blog/ hat in Kommentaren zum Film-Vermarktungsblog die Bilder dieser eindrucksvollen Vernichtung der Website gepostet:

screenshot bild.de

screenshot t-online



So eine interaktive Werbung haut jeden aus den Socken, auch diejenigen, die sich für diesen Film kaum interessieren. Denn hier wird das sensible Mittel der Wiedererkennbarkeit aktiviert. Man erkennt die bekannten Bilder von Köln oder Berlin, man erkennt die vertratuen Layouts der Webportale. Doch nun passiert etwas höchst ungewöhnliches, indem das Bekannte und Vertraute durch die Dekonstruktion in die Ebene des Fiktionalen verschoben wird.

Die gleiche Technik hat ja bereits Nintendo benutzt, als es mit einem neuen Wii-Videoclip die ganze Website komplett demolierte: http://www.youtube.com/experiencewii. So eine Werbung greift tief und ist äusserst fruchtbar. Denn auch hier werden die Bereiche der "Normalität" durch die fiktionale Zerstörung hinterfragt.



P.S. Hier ist Direktlink zur Layout-Zerstörung.

2 comments:

Prinz Rupi said...

Erinnert mich an die Lesung von H.G. Wells »War of the worlds« im britischen Radio.

Der Merzmensch said...

@Prinz Rupi

Stimmt, das waren die ersten Versuche. Wells hatte sehr gute Arbeit geleistet :-)